Geschlechtsbestimmung - Fortpflanzung

Allgemeine Geschlechtsbestimmung
Die Geschlechtsbestimmung bei noch nicht geschlechtsreifen Vogelspinnen ist für einen Anfänger sehr schwierig, und selbst auch noch für einen erfahrenen Vogelspinnenzüchter oftmals äußerst schwierig. Die Geschlechtsangabe bei subadulten Tieren wird deswegen meist nur unter Vorbehalt angegeben. Bei Spiderlingen ist eine genauere Geschlechtsbestimmung so gut wie unmöglich. Es lassen sich nur Tendenzen feststellen. So sind die Spiderlinge die tendenziell schneller wachsen eher Männchen, während die langsam wachsenden Spiderlinge eher Weibchen sind. Das ist aber auch eher sehr wage, da das Wachstum auch von der Temperatur und der Fütterung abhängt.
Manche Vogelspinnenarten lassen sich anhand ihrer Färbung in männlich oder weiblich unterscheiden. Poecilotheria Arten kann man z.B. an der Zeichnung auf der Oberseite des Abdomens unterscheiden. Der Streifen der das Abdomen längs teilt ist bei Männchen deutlich dunkler und dünner als bei Weibchen. Die Weibchen besitzen einen hellen, cremefarbenen und breiteren Streifen.

Für erfahrene Vogelspinnenhalter lässt sich das Geschlecht eines Tieres an den Geschlechtsorganen auf der Unterseite des Abdomens feststellen. Wobei auch hier meist dazugesagt wird das es sich "wahrscheinlich“ um das oder das Geschlecht handelt. Definitive Aussagen sind hier eher selten. Männliche Vogelspinnen haben auf der Unterseite es Abdomens im Bereich der Geschlechtsöffnung einen Punkt, der je ach Art mal weiß (z.B.Brachypelma smithi), aber auch mal dunkel, fast schwarz sein kann (z.B. Nhandu coloratovillosum).
Weibchen haben diesen Punkt nicht. Bei ihnen ist diese Geschlechtsöffnung, Epigastralfurche genannt, verdickt. Diese ist von der Seite deutlicher zu sehen als frontal von unten.

Am besten ist das Geschlecht natürlich bei einer adulten Vogelspinne zu erkennen. Aber auch hier ist für einen Anfänger auch nicht auf den ersten Blick zu erkennen ob es sich um ein Männchen oder ein Weibchen handelt. So hielt ich ein adultes Avicularia huriana Männchen für ein adultes Weibchen, weil es mir als solches verkauft wurde. Leider wird hier mal gerne die Unwissenheit eines Anfängers ausgenutzt um daraus Profit zu schlagen. Ich hoffe ich kann hiermit dazu beitragen das es den kommenden Vogelspinnenhalter nicht so geht wie mir, denn ich bin der Meinung das wir uns gegenseitig mit Erfahrungsaustausch helfen sollten Vogelspinnen besser zu verstehen und die so oft gehörten Horrorgeschichten und Vorurteile gegenüber unserer Pfleglinge aus der Welt zu räumen. Schließlich haben wir ja hoffentlich alle das gleiche Interesse, und das ist das Wohl unserer Tiere.

Die meisten adulten männlichen Vogelspinnen haben an den vorderen Laufbeinen am dritten Glied (Tibia) einen Haken auch Schienbeinhaken genannt. Diese Haken sind erst nach der Reifehäutung, die letzte Häutung im Leben einer männlichen Vogelspinne, zu sehen. Adulte Männchen von z.B. Poecilotheria regalis oder Avicularia versicolor besitzen diese Haken nicht. Alle adulten Männchen haben an beiden Tastern jeweils einen Bulben, der je nach Art ein bisschen anders aussehen kann. Ganz grob beschrieben handelt es sich um ein dickes Teil das an einer Art Gelenk am Taster hängt und einem dünneren gekrümmten Teil (siehe Fotos) das in das Weibchen eingeführt wird. Das adulte Weibchen zu erkennen ist etwas schwieriger.

Von anderen erfahrenen Vogelspinnenhaltern habe ich schon gehört das manche Arten das Geschlecht wechseln. So soll es vorgekommen sein, daß ein „sicheres“ Männchen das Geschlecht gewechselt hat und zum Weibchen wurde. Beobachtet wurde dies bei Brachypelma anitha. Über den Wahrheitsgehalt dieser Aussage kann ich selber nichts sagen. Ich pflege ein subadultes Brachypelma anitha Männchen und werde natürlich darauf achten ob ich etwas ähnliches beobachten kann.


Funktion der Schienbeinhaken von Vogelspinnenmännchen
Männliche Vogelspinnen benutzen diese Haken um sich das Weibchen bei der Paarung „vom Hals zu halten“. Das Weibchen spreizt bei der Paarung ihre Chelizeren. Das Männchen hängt die beiden Haken in die gespreizten Chelizeren des Weibchens ein und drückt es, um an ihre Geschlechtsöffnung zu kommen, nach oben. Vogelspinnen die diese Haken nicht haben benutzen hierzu die Fußspitzen (Tarsus) der vorderen Laufbeine.


Spermanetz
Beim Spermanetz handelt es sich um ein sehr dichtes Gewebe das ausschließlich männliche, adulte Vogelspinnen weben. Meist wird es schräg in ein Eck des Terrariums gewebt. Nachdem dieses kleine Netz fertig ist kriecht das Männchen darunter und bringt einen Spermatropfen darunter an. Anschließend krabbelt es wieder hervor und saugt diesen Spermatropfen mit den Bulben wieder auf. Ist dieser Vorgang abgeschlossen reißt das Männchen das Spermanetz wieder ab. Am nächsten Morgen ist bei genauerem hinsehen nur ein kleines Stückchen zusammengerolltes Spinnennetz zu erkennen. Dieser Vorgang wiederholt das Männchen entweder dann wenn das Sperma „schlecht“ oder wenn es nach einer Paarung verbraucht ist.


Die Paarung von Vogelspinnen
Im Leben von Vogelspinnen ist die Paarung sicherlich einer der aufregendsten Augenblicke und auch für den Vogelspinnenhalter ist es immer wieder ein Erlebnis.
Oft hört man das Vogelspinnenmännchen nach der Paarung immer von den Weibchen gefressen werden. Das stimmt so aber nicht ganz. Es kommt vor dass das Weibchen das Männchen nach der Paarung frisst, aber in den meisten Fällen kommt das Männchen unbeschadet davon. Es kommt sogar vor das Männchen und Weibchen wochenlang zusammen in einem Terrarium leben. Einige meiner adulten Männchen sind an Altersschwäche im Terrarium des Weibchens gestorben.
Das Vorspiel einer Paarung ist bei den meisten Vogelspinnenarten ein Trommeln und Zittern des Männchens. Manche Weibchen erwidern dieses Trommeln und Zittern, (z.B. Poecilotheria regalis, Brachypelma albopilosum). Anschließend „bockt“ das Männchen das Weibchen nach oben und beginnt seine Bulben abwechselnd in die Geschlechtsöffnung des Weibchens einzuführen. Bevor es das kann wird der Bulben an einer Art Gelenk um 180° gedreht so dass er nach vorne zeigt.
Die Dauer einer Paarung kann je nach Art unterschiedlich sein.

Zur Paarung sollte das adulte Vogelspinnenmännchen zu ihr ins Terrarium gesetzt werden. In der Natur macht sich das Männchen auf die Suche nach einem Weibchen.
Am optimalsten ist es, wenn das Männchen frisch „geladen“ ist d.h. frisch ein Spermanetzt gebaut hat, und das Weibchen frisch gehäutet ist. Häutet sich ein Weibchen nach einer Paarung bevor es einen Kokon baut kommt dies einer Abtreibung gleich, denn das Sperma des Männchens wird mit der alten Haut abgestreift. Vor einer Paarung ist es bei manchen Vogelspinnenarten von Vorteil die im Herkunftsland herrschenden Klimabedingungen zu simulieren.


Kokonbau
Bis ein Weibchen nach einer Verpaarung einen Kokon baut können je nach Art wenige Monate oder sogar 1,5 Jahre (bei eigenem Tier von Grammostola rosea erlebt) vergehen. Es kann vorkommen dass das Weibchen den Kokon wieder auffrisst. In einem Kokon können sich, wieder je nach Art, ca. 100 bis 600 Spiderlinge befinden. Die Dauer bis die Spinnenbabys aus dem Kokon schlüpfen ist auch sehr unterschiedlich.